Weiterbildung – Fachwirt ja oder nein?

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Hallo ihr Lieben. Heute möchte ich mich einem Thema widmen, welches mir schon seit längerem unter den Nägeln brennt. Vor mittlerweile mehr als einem Jahr (fast schon seit 2 Jahren) habe ich mich freiwillig weitergebildet und den geprüften Handelsfachwirt absolviert. Da solche Weiterbildungen und duale Studiengänge mittlerweile von nahezu jedem Unternehmen angeboten werden, möchte ich Euch Pro und Contra dieser Weiterbildung aus meiner Sicht näher bringen.

Zu allererst möchte ich solche Weiterbildungen grundsätzlich nicht verteufeln, denn es ist sehr wichtig, dass man nicht stehen bleibt, sondern das möglichst Beste aus seinem Leben herausholt. Diese Einstellung vertrete ich zumindest. Aber was nützt einem nun so eine Weiterbildung und wie geht es dann weiter?

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Eine Definition zum Berufsbild des ausgebildeten Handelsfachwirt lautet folgendermaßen:

„Als ausgebildeter Handelsfachwirt sind Sie fit für den Einstieg in eine Führungspositionim Handel: Sie verstehen betriebswirtschaftliche Abläufe in ihrem Gesamtzusammenhang und können diese beurteilen und steuern. Je nach Aufgabengebiet betreuen Sie den Ein- und Verkauf, werten Umsatz- und Verkaufsstatistiken aus, entwerfen Marketing-Konzepte, setzen das betriebliche Controlling als Instrument der erfolgreichen Unternehmenssteuerung ein oder prüfen die Rechtmäßigkeit von Verträgen. Sie können ein Team an Handelsmitarbeitern erfolgreich leiten und verantworten beispielsweise die Personalplanung und die Aufgabenverteilung.

Neben Ihrer Fachkompetenz erlernen Sie die Management-Instrumentarien, erwerben Kenntnisse der Arbeitsmethodik, geeignete Moderations- und Präsentationstechniken sowie Führungswissen und Sozialkompetenzen. Dieses auf Ihre Aufgaben im Handel zugeschnittene Spezialwissen können Sie sofort in ihrer täglichen Arbeit anwenden.

Mit der Weiterbildung zum Handelsfachwirt sind Sie bestens vorbereitet auf verschiedenste Einsatzgebiete und Positionen wie z. B. Abteilungs-, Filial- oder Verkaufsleiter, Sales- oder Marketing-Manager, Vertriebsrepräsentant, Key Account-Manager oder Selbständiger.
Als Handelsfachwirt werden Sie also zum unersetzlichen Experten!“

(Quelle: Akademie Handel)

Im Großen und Ganzen kann man da zustimmen. Nur was tun, wenn man das Unternehmen wechseln möchte? Wie verhält es sich auf dem Arbeitsmarkt mit den sog. Fachwirten? Leider ist diese Berufsbezeichnung am Arbeitsmarkt nach wie vor noch nicht so präsent und wird auch in Stellenausschreibungen fast nicht berücksichtigt, was den Bewerbungsprozess nicht gerade einfach macht: Kommt die Weiterbildung einem Wirtschaftsstudiengang gleich? Oder kann ich mich doch nur für Stellen bewerben, wofür eine einfach Kaufmannsausbildung auch ausreicht? Genau diese Fragen haben mich in meiner Bewerbungsphase auch extrem beschäftigt. So habe ich mich damals einfach Querbeet beworben und natürlich viel Aufwand für Nichts betrieben…

Duales Studium, Vollzeit oder in der Abendschule?

Das kommt natürlich erst mal darauf an, welchen (Aus-) bildungsstand man hat. Nach dem Abitur/Fachabitur macht ein duales Studium Sinn. Vollzeit als Maßnahme der Berufsfindung und die Abendschule wenn man in einem festen Arbeitsverhältnis steht und dieses aktuell nicht aufgeben möchte. Ich habe mich 2014 für letzteres entschieden. Das hieß für mich ab Feb. 2014 jede Woche am Montag und Mittwoch in die Abendschule. (Die Schulferien werden aber berücksichtigt ;-))

Kosten?

Für ein duales Studium kommt finanziell in der Regel der ausbildende Arbeitgeber auf. Hier erhält der Dualstudent auch ein entsprechendes Gehalt. Die anderen beiden Maßnahmen kosten nach heutigem Stand ca. 3.600,-€ (exkl. Prüfungsgebühren). Hier könnt Ihr Euch natürlich etwas Geld sparen, wenn Euch der Arbeitgeber unterstützt und Eure Weiterbildungsmaßnahme für gut heißt. Ich habe mich hier für die unabhängige Variante entschieden und den gesamten Betrag aus der eigenen Tasche bezahlt. Denn wenn der AG euch unterstützt, wird er in den meisten Fällen einen Vertrag aufsetzten, der Dich dann für minimum 3-5 Jahre an das Unternehmen bindet. Vorteil der Kosten für die Weiterbildung: Sie können steuerlich abgesetzt werden, inkl. sämtlicher Fahrtkosten (Hin- und Rückfahrt)!!!

Man erhält Rückwirkend bei erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung einen sog. „Meisterbonus“ in Höhe von 1000,-€. Dieser wird dann knapp ein halbes Jahr nach Ende ausbezahlt. Zusätzlich könnt Ihr auch noch ein Meisterbafög beantragen (dieses muss nicht zurückgezahlt werden)

Lernaufwand?

Ich sag mal so, wenn man (fast) immer im Unterricht anwesend ist, mitmacht und von Anfang an ein bisschen mitlernt, dann schafft man die Prüfungen in der Regel ohne Probleme. Es ist ja alles sehr praxisbezogen und kann mit der eigenen Arbeitstätigkeit gut „verbeispielt“ werden.

Man sollte sich aber auch im Klaren darüber sein, dass in der heißen Lernphase das „normale“ Leben stark auf der Strecke bleibt und man wirklich wirklich viel Zeit und Energie dafür aufwenden muss und sollte. Auch sollten das Eure Mitmenschen verstehen und akzeptieren. Ihr macht das ja für Euch und nicht für jemand anderes.

Meine Meinung und hat es sich für mich wirklich gelohnt?

Erst mal bereue ich es nicht, den Fachwirt gemacht zu haben! Es hat mich als Mensch und in meiner persönlichen Entwicklung schon nach vorne gebracht. Nur wenn ich nun sage, dass ich die Arbeitsstellen, die ich seitdem ich den Fachwirt in der Tasche habe, angetreten bin, auch ohne diese Weiterbildung bekommen hätte, währe das sicherlich die Wahrheit. Ich glaube, dass man nach der Weiterbildung erst einmal einige Jahre in einer mittleren Führungsposition arbeiten sollte, um sich mit Berufserfahrung die nötigen Qualifikationen für höhere Stellen zu holen. Ob im selben Unternehmen, oder in einem anderen.

Würde ich es nochmal machen wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte? NEIN!!! Ich würde wahrscheinlich ein Studium vorziehen, da sich damit die Jobchancen doch deutlich verbessern.

Hier nochmal auf einen Blick meine Pros und Kontras zur Weiterbildung zum geprüften Handelsfachwirt:

Pro:

  • Kann berufsbegleitend gemacht werden
  • Die Kosten können steuerlich geltend gemacht werden
  • Man erhält einen Meisterbonus und Bafög, das nicht zurückgezahlt werden muss
  • Die Weiterbildung läuft sehr praxisnah ab
  • Man erhält nach dem Abschluss den Hochschulzugang; anschließende Weiterbildung zum Betriebswirt ist möglich
  • Man entwickelt seine Persönlichkeit weiter

Kontra:

  • Keine genaue Berufsbezeichnung am Stellenmarkt
  • Der Hochschulzugang wird nur dann gewährt, wenn Studienplätze frei sind, da man in der Berücksichtigung ganz hinten angestellt wird
  • Die Weiterbildung zum Fachwirt findet man mittlerweile wie Sand am Meer, da sämtliche Firmen hier vom Staat eine Ausbildungsförderung erhalten und die Dualstudenten dann als „billige Arbeitskräfte“ ansehen. (leider meist auch so behandeln)
  • Eine fundierte Ausbildung (Kaufmann; Geselle; usw.) wird durch solche duale Studiengänge und Weiterbildungsmaßnahmen total abgewertet. Trotzdem ist der Verdienst des Fachwirts meist nicht wirklich höher.

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